Punkerin im Blaumann

Da möchte man ihr kaum glauben, dass dann ihre größte Sorge ausgerechnet das Lampenfieber bei einem Auftritt vor einer größeren Gruppe ist. „Da bin ich immer ziemlich aufgeregt und mir zittern die Knie. Dann denke ich mir: Das sind doch auch nur Menschen da vorne. Das macht es nur halb so schlimm, wenn ich mal stottere oder was Falsches sage. Sobald ich das überwunden habe, ist das Lampenfieber schon weg.“ Das Leben kann so einfach sein. Mit etwas Sonnenschein im Herzen.

Lampenfieber

Punkerin im Blaumann

Ach wie niedlich: die Kindertanzgruppe Sonnenschein… Das klingt nach adretten Kleinen mit Zöpfchen und artigem Seitenscheitel, mit kariertem Röckchen und weißem Hemd, die zu Omas 90sten im Altenheim zu Blockflöte und Geigenklang eine herzallerliebste Aufführung zum Besten geben. Und dann das: Punk, knallhart, rotzig, ein Aufschrei gegen die Konventionen, mit Dezibel jenseits der Schmerzgrenze. Am Bass der Fuldaer Band: Niyet. 19 Jahre. Eine zarte, fast zerbrechliche wirkende Person. Wäre da nicht dieser funkelnde, überaus wache Blick und ihre wie elektrisiert gegen jede ankämmende Ordnung rebellierenden Haare. Und wäre da nicht ihr Bass, mit dem sie von der Bühne aus die aufgeladene Luft wummern lässt. Gnadenlos. Markerschütternd. „Ich mag’s einfach extrem“, sagt Niyet mit einem breiten Grinsen.

Und vor allem mag Niyet anpacken. Nach einem Schülerpraktikum in einer Autowerkstatt war klar geworden, dass sie nach der Realschule eine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin machen wollte. „Das war die beste Erfahrung in meiner Schulzeit“, stellte sie fest. Dass sie als Mädchen in einem von Männern dominierten Beruf anfangen würde, bereitete ihr kein Kopfzerbrechen. „Das schaffe ich“, war sie gleich überzeugt. Auf ihre Bewerbungen habe sie anfangs – trotz des verbreiteten Azubi-Mangels – nur Absagen bekommen. Etwa mit der Begründung, dass der Betrieb keine Damenumkleiden und eigene Damentoiletten habe. „Irgendwann habe ich dann eine Mitarbeiterin getroffen, die bei EDAG arbeitete. Sie sagte, bewirb dich doch bei uns. Wir suchen immer Frauen. So bin ich in Fulda in der Ausbildungswerkstatt gelandet“, freut sich Niyet.

(Nicht) allein unter Jungs

Heute ist sie das erste und einzige Mädchen im Ausbildungsgang zur KFZ-Mechatronikerin. „Unser Chef, der Klaus, hat mich immer sehr ermutigt und unterstützt“, sagt Niyet. Dass sie in der Jungs-Werkstatt fremdeln könnte, darüber hätte sich ihr Ausbilder keine Sorgen machen müssen. „Ich habe eine große Klappe und kann mich schon ganz gut behaupten.“

Sie habe es aber auch toll gefunden, dass ihr bei ihrem Einstieg in die Ausbildung viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegengebracht worden sei: „Für mich wurden einige Arbeitsklamotten in Damengröße besorgt und ich bekam eine echt nette Kollegin als Ansprechpartnerin und Vertrauensperson zugewiesen“, berichtet Niyet. Irgendwann habe sie auch einmal Dr. Lutz Helmig, den Mehrheitsaktionär von EDAG, getroffen, als dieser einen Firmenbesuch machte und ein Gruppenfoto ihrer Abteilung überreicht bekam. „Er hat mich bestärkt, meinen Weg in den handwerklich-technischen Beruf weiterzugehen. Er wolle, dass hier mehr Frauen arbeiten und das Unternehmen weiterbringen.“

Am liebsten zuhause und unter Strom

Ursprünglich hatte Niyet damit geliebäugelt, direkt bei einem Automobilhersteller in die Ausbildung zu gehen. „Doch dann kam EDAG dazwischen. Ein echter Glücksfall. Denn ich konnte in meiner Heimatstadt Fulda bleiben und kann hier nun ein viel breiteres und viel abwechslungsreicheres Spektrum der Fahrzeugtechnologieentwicklung erleben.“ Besonders habe sie auf ihren verschiedenen Ausbildungsstationen die Elektrik und Elektronik fasziniert. „Stromlaufpläne zu erstellen, Fahrzeuge mit Kabelbäumen und Sensoren zu bestücken hat mir richtig viel Spaß gemacht“, berichtet sie. „Überhaupt stehen wir hier alle immer in einem ganz intensiven Austausch, ich kann immer bei den Gesellen nachfragen, wenn ich etwas nicht verstehe, die freuen sich und erklären mir dann alles.“

Niyet will immer alles ganz genau wissen. „Um zu verstehen, wie ein Motor funktioniert, dürfen wir mehrere Übungsmotoren mal auseinander und wieder zusammenschrauben, natürlich auch viele weitere Teile im KFZ. Das macht es für uns sehr viel verständlicher“, sagt sie. Dass sie dabei nicht in einer klassischen Autowerkstatt, sondern bei einem Technologieentwickler arbeite, macht für sie die Ausbildung noch attraktiver. „Wir reparieren hier nicht irgendwelche kaputten Kundenautos, sondern machen Umbauten von Neuwagen, arbeiten mit Prototypen und Technikträgern. Da baust du immer gleich auch ein bisschen an der Zukunft mit.“

Ja Leute, das glaubt ihr jetzt nicht!

Dass andere aus ihrem Alters- und Freundeskreis weiter zur Schule gehen und vielleicht sogar bereits ein Studium anpeilen, während sie schon mit Haut und Haaren in die Arbeitswelt eingetaucht ist, lässt Niyet kalt. „Ich habe mir das doch selbst ausgesucht. Ich lerne jeden Tag was neues, das kann mir niemand mehr nehmen“, erklärt sie und fügt hinzu: „Ich bin jung, die ganze Welt steht mir offen.“

Dass sie eine „große Klappe“ hat, sagt Niyet öfter. Müsste sie eigentlich nicht. Denn das ist nun wirklich nicht zu überhören und schon gar nicht unsympathisch. Sie kommt gut an bei EDAG, ist auch noch Vorsitzende in der Jugendvertretung, spielt neben der Kindertanzgruppe Sonnenschein noch in einer weiteren Rock-Band, macht Sport und ist viel Unterwegs – was halt Teenager so machen. Nur eben alles gleichzeitig. „Ich kann einfach nicht stillsitzen“, bekennt sie.


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