Globetrotterin und Galilei's guter Rat

Die Globetrotterin und der gute Rat von Galilei

„Die Neugier steht immer an erster Stelle des Problems, das gelöst werden will“, hatte schon der italienische Mathematiker, Philosoph und Physiker Galileo Galilei erkannt. Das hilft auch, wenn das Problem „Fernweh“ heißt. Carolins Lösung für diesen Fall könnte ganz nach dem Geschmack von Galilei sein: Neugier auf das Unbekannte und die Begegnung mit Menschen und Kultur, Rucksack packen und los geht’s. Etwa so, wie sie sich vor einigen Jahren zwischen zwei Projekten auf den Weg nach Neuseeland gemacht hatte, durch Kauri-Wälder streifte, Vulkane bestieg und mit dem Kayak den Milford-Sound erkundete. Alles allein und auf eigene Faust. „Man trifft doch immer andere Backpacker. Da wird es einem nie langweilig“, stellt sie vergnügt fest.

Dass Langeweile und Carolin zusammenfinden, erscheint ohnehin schwer vorstellbar. Auf damals weithin unbekanntes Terrain führte sie schon 2005 das duale Studium, das sie bei EDAG PS gemacht hatte: Virtual Engineering. „Das war für mich die perfekte Mischung von technischem Anspruch und Kreativität“, sagt Carolin. Nicht gerade eine klassische Domäne für Frauen. Aber davon wollte sie sich nicht abschrecken lassen. „Ich habe mich einfach schon immer sehr für Mathe und Naturwissenschaften interessiert.“

Besonders fesselnd findet sie Simulationen, zum Beispiel um damit schon vor der Realisierung komplette Fertigungsanlagen in einem CAD-System aufzubauen und die dort geplanten Abläufe bis ins letzte Detail zu überprüfen. „Mit Simulationssystemen, wie zum Beispiel Process Simulate von Tecnomatix oder Delmia von Dassault Systemes, positioniere ich das Equipment und kläre ab, ob die Roboter mit den Zangen oder Greifern oder anderen Tools alles erreichen, was sie erreichen sollen“, berichtet Carolin. Auf diese Weise würden selbst komplexe Anlagenkonzepte bereits in ihrer Entwicklungsphase einen immer höheren Reifegrad erreichen.

Carolin greift dazu nicht nur ein breites Fachwissen über Robotik, Fügetechniken und Anlagenprozesse zurück, sondern profitiert auch von ihrer ausgeprägten Vorstellungskraft, gepaart mit räumlichem Denken. „Bevor ich es im System teste, habe ich meist schon ein klares Bild davon im Kopf, wie ein Bauteil später einmal aussehen muss, damit es produziert werden kann. So komme ich schneller zum Ziel.“

Die fertige Fabrik im Rechner

Spaziergang durch die Traumfabrik

„Die Abstimmung zwischen Robotik, Planung und 3D-Konstruktion, sowie Elektrik und virtueller Inbetriebnahme in der Simulation ist essentiell, damit die Anlage später wie geplant funktioniert. „Virtuell durch eine Fabrik, die nur im CAD existiert, zu spazieren und dort zu überprüfen, ob auch alles so funktioniert, wie wir uns das ausgedacht haben, macht Sinn und viel Spaß“, sagt Carolin.

Dabei immer wieder aus festgefahrenen Mustern und Standards herauszukommen und neue Themen kreativ zu entwickeln, komme ihrer Entdeckernatur sehr entgegen.
„Ich denke lieber in Möglichkeiten als in Begrenzungen. Rumspinnen ist da nicht nur erlaubt, sondern notwendig“, sagt sie. Der Vorteil am Virtual Engineering sei, dass die Entwickler auch einmal Dinge digital ausprobieren könnten, ohne dafür großen Kostenaufwand und Ressourceneinsatz in Kauf nehmen zu müssen.

Das Wir gewinnt

„In Production Solutions arbeiten wir ganz eng mit unterschiedlichsten Abteilungen und Kompetenzen zusammen: mit Produktentwicklern, Sicherheitsingenieuren, Elektrik, Konstrukteuren, aber auch mit den Kollegen, die später unsere geplante Anlage aufbauen und in Betrieb nehmen müssen“, erklärt Carolin. „Da die Anlage auch gewartet werden muss, spielt auch dies natürlich schon in der Planung und Simulation eine wichtige Rolle. Hierzu kommt der Input von unseren Kunden.“

Mit ihrem Team hat Carolin dazu nicht nur die Details, sondern immer auch das große Ganze im Blick: von der ersten Idee über das Engineering bis hin zur Realisierung und zum Aufbau des Roboters oder gleich der Anlage in der Fertigungsstätte. So unterstützt sie die Produktentwicklung und kann – falls erforderlich – in der Abstimmung des Produkts auf die Anlage jederzeit steuernd oder korrigierend eingreifen.

Und immer wieder aufschlauen

In der sich immer schneller drehenden digitalen Welt muss sich Carolin auch noch selbst immer up-to-date halten. „Ich tausche mich dazu sehr intensiv mit Robotik- und Automatisierungskollegen über neue Themen aus und studiere Fachvorträge“, erklärt sie ihr persönliches Fortbildungsprogramm.

Carolin ist dabei übrigens alles andere als ein IT-Nerd, dessen einziges Glück im Rechner steckt. Sport ist ihr mindestens genauso wichtig wie das Tüfteln am Computer. Mit Vier hat sie mit dem Schwimmen begonnen und zieht noch heute zwei- bis dreimal die Woche ihre Zwei-Kilometer-Bahnen. Sie spielt Volleyball in ihrem „Mädelsteam“ und hat vor einem halben Jahr auch noch Yoga für sich entdeckt, die dynamische Hatha-Flow-Variante. „Das ist wunderbar zum abschalten und sich fokussieren“, freut sie sich.

Das Fernweh arbeitet mit

Ihre Reise- und Entdeckerlust kommt ihr auch im Job entgegen. Im vergangenen Jahr war Carolin für ein Vierteljahr in Mexiko, wo sie sich um die Qualitätssicherung und Taktzeitoptimierung in einer von EDAG PS betreuten Anlage kümmerte. „Wir waren da mit einem multikulturellen Team aus der ganzen Welt am Start. Das war super“, berichtet Carolin. Und an den Wochenenden habe es immer auch Zeit gegeben, das Land zu erkunden. Jetzt geht es nach China. Hier unterstützt sie einen chinesischen Anlagenbauer bei den Engineeringabnahmen für eine Anlage in Südafrika. „Jeder Tag wird da zum Erlebnis“, sagt sie. Da treffen sie sich wieder: die Neugier und das Fernweh. Galileo Galilei hätte vermutlich seine Freude daran.


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