Freigeist mit Wind in den Segeln

Freigeist mit Wind in den Segeln

„Über den Wind können wir nicht bestimmen, aber wir können die Segel richten.“ Dass diese Erkenntnis der Wikinger einmal sehr treffend sein eigenes Leben beschreiben würde, hätte sich Markus Kohout in jungen Jahren auch nicht träumen lassen. Wie auch? Markus stammt aus Guxhagen im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Da ist das Meer weit weg. Ohne den Guxhagenern zu nahe zu treten: ein 5.000-Seelen-Örtchen mitten in der hessischen Provinz hat mit Wikingern nun wirklich nicht viel zu schaffen. Immerhin ist die Autobahn A7 nah und es gibt mit einem weithin sichtbaren Kentucky-Fried-Chicken-Restaurant auch so etwas wie eine Sehenswürdigkeit. 

In seiner Jugend bot für Markus die Freiwillige Feuerwehr Abenteuer, die erreichbarer waren als irgendwelche Wikingergeschichten. Rund um die Autobahn gab es für die Feuerwehrleute immer viel zu tun. „Ich will immer anpacken und brauche Action“, sagt Markus. „Nachts um 2.00 Uhr mit schwerem Atemschutz ein brennendes Fahrzeug zu löschen, ist schon eine existenzielle Grenzerfahrung, die meinen Blick auf meine eigenen Möglichkeiten und Grenzen in Stresssituationen geschärft hat.“

Programmieren aus Spaß am Spiel

Nach dem Gymnasium wollte er daran anknüpfen und verpflichtete sich erst einmal bei der Bundeswehr, um sich für sein Studium einen finanziellen Grundstock anzulegen. Ein gewisser Geschäftssinn habe ihn schon in jungen Jahren umtrieben, erinnert er sich. Wenn er nicht draußen herumtobte, liebte es Markus als 13-Jähriger, sich mit Computerspielen die Zeit zu vertreiben. „Sehr schnell wollte ich wissen, was sich hinter der Oberfläche abspielt und fing mit dem Programmieren an“, sagt er. Mit 16 verdiente er sich bereits sein erstes eigenes Geld mit dem Erstellen von Websites, Apps und Online-Marketing-Tools.

Dass darin möglicherweise seine berufliche Zukunft liegen könnte, sei ihm damals nicht in den Sinn gekommen. „Ich wollte mich dreckig machen. Wie bei der Feuerwehr mit schwerem Gerät zu hantieren oder Maschinen zu bauen, fand ich viel attraktiver als einen Job im Büro“, sagt er. Programmiert habe er trotzdem weiter. „Das war für mich ja keine Arbeit.“ Heute staune er selbst manchmal, dass er mit Anfang 30 bereits auf mehr als 15 Jahre Programmiererfahrung zurückblicken könne. 

Ein Start-up statt Elite-Uni

Dass ihm das Programmieren so leichtfiel, hätte ihn fast seinen Abschluss gekostet. Neben seinem Studium an der renommierten ETH Zürich jobbte er in einem Start-up, das auf Softwarelösungen für die Personaleinsatzplanung spezialisiert war und gerade den Nerv der Zeit getroffen hatte. „Das Start-up war erfolgreich, mit 23 wurde ich Teilhaber und brach mein Studium an der Elite-Uni ab“, berichtet Markus. 

Nach insgesamt vier Jahren, zweieinhalb davon als leitender Entwickler, verkaufte er 2014 seine Anteile. „Mit 25 hatte ich auf einmal viel Geld in der Tasche, wollte reisen und die Welt erleben.“ Mit verbundenen Augen habe er Dartpfeile auf eine Weltkarte geworfen und sei in Ruanda gelandet. „Ich bin nach Afrika geflogen ohne einen blassen Schimmer, was mich dort erwartet.“ Er habe sich dort in der Hauptstadt Kigali in einen Co-Working-Space eingemietet („um ein bisschen zu programmieren“), sei viel rumgereist und habe unterschiedlichste Menschen und ihre Lebensentwürfe kennengelernt. Später führte ihn sein Weg unter anderem nach Ost-Timor und Hawaii, wo seine Leidenschaft fürs Meer entfacht wurde. „Ich habe eine Hochseesegel-Lizenz erworben und an der Fernuni im Schnellverfahren meinen Bachelor in Informatik gemacht“, sagt er. Die Segel für seinen weiteren Lebensweg waren gesetzt.

Eine Investition ins eigene Ich

Auf dieser Reise durchs Leben sei sein kleines Vermögen aus dem Start-up-Anteile-Verkauf allerdings bald auch dahingeschmolzen. „Ich habe nicht gespart und in mich selbst investiert“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Dafür ist jetzt auch mein Fernweh einigermaßen gestillt.“ Seinen Master in Informatik an der RWTH Aachen konnte er dann auch vergleichsweise entspannt machen. Der Weg zur Promotion war schon vorgezeichnet. Doch daraus wurde nichts. „Der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg in die Wirtschaft erschien mir aber schlussendlich doch reizvoller als eine langjährige Bindung an einen Lehrstuhl“, sagt der vielgereiste Freigeist.

Per Zufall sei er dann im September 2018 zu BFFT nach Ingolstadt gekommen. „Hier ist Teamplay Teil der Unternehmens-DNA, es geht auch nach dem Rebranding zur EDAG Electronics immer vorrangig um die Sache, man wird nicht durch Hierarchien ausgebremst“, sagt Markus. Im Performance Engineering, einem neuen Angebot zur Algorithmen-Optimierung der Kundensoftware, könne er in einem richtig starken Projektteam seine ganze Programmierleidenschaft ausleben. „Wir schaffen hier gerade etwas richtig Großes“, ist er überzeugt. Je mehr Funktionen in ein Fahrzeug kämen, desto intensiver müsse die Software in der Abstimmung mit der Hardware leisten. „Hier denken wir Dinge ganz neu voraus“, sagt Markus. Daher würden mittlerweile auch die Segment- und Teamleiter mit großem Interesse auf die Fortschritte des Performance-Engineering-Projekts schauen. 

Mit der Weisheit der Wikinger Kurs halten

Viel zu tun und sich dabei auch in unbekannte Fahrwasser zu begeben, erlebt Markus selten als Stress. „Beim Feuerwehreinsatz lernt man unter Atemschutz, wie man mit brenzligen Situationen umgeht, ohne in Panik zu geraten: einfach ruhig durchatmen.“ Und dann ist da ja auch noch die Weisheit der Wikinger: Um die eigenen Segel zu richten und auf Kurs zu bleiben, setze er in seiner Freizeit gezielt auf Entschleunigung. „In meinem Urlaub bin ich meist als Skipper mit einem Charterschiff auf hoher See unterwegs. Eine Woche mit einer netten Gästecrew, Wind in den Segeln und meist nicht schneller als acht Knoten voranzukommen, das sind gerade mal 14 km/h, macht einen herrlich ruhig.“ 


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