Der Riversurfer

Der Riversurfer

„Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.“ Der Schriftsteller Oscar Wilde kannte sich erwiesenermaßen bestens aus mit gehobener Lebensart. Dazu gehört auch, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen, und etwas Gutes daraus zu machen. David fühlt sich auf der „Wild(e) Side of Life“ gut aufgehoben. Sie entspricht auch ganz seinem Selbstverständnis in der Automotive Entwicklung. Der 27-Jährige kam 2017 zu EDAG, wo er heute am Standort Unterschleißheim als Projektleiter Autonomous Drive & Safety, kurz ADAS, an der Zukunft der Mobilität arbeitet.

Dass er einmal in der Automobiltechnologieentwicklung landen würde, hätte er früher nicht gedacht. „Das hat sich einfach so ergeben“, sagt er und wirkt dabei mehr als zufrieden. Im Studium an der Hochschule in Kempten lag sein Fokus auf Energie- und Umwelttechnik: „Mit Automobilbau hatte das erst einmal nicht viel zu tun – eher mit regenerativen Energien, Kreislaufwirtschaft und grünen Technologien.“

Allerdings hatte er sich im Grundstudium bereits über Vertiefungen in Getriebe- und Fahrzeugtechnik langsam an die Automotive-Branche herangepirscht, um dann später als Werkstudent tiefer in das Zukunftsthema E-Mobilität einzusteigen. „Wenn man neugierig durchs Leben geht und die Augen offen hält ergeben sich viele Chancen und Möglichkeiten“, hat David erfahren. „Du musst nur die Richtigen auswählen.“

Das sei bei ihm schon von klein auf so gewesen, als er mit seinen Kumpels auf dem Mountainbike den Pfälzer Wald unsicher machte. Weil ihm fürs anspruchsvolle Biken das nötige Kleingeld fehlte, schraubte und werkelte er immer selbst an seinem Rad herum. „Irgendwie muss sich dabei mein Sinn fürs Technische entwickelt haben“, mutmaßt er.

Auf jeden Fall hat sich so auch in bester Oscar-Wilde-Manier die Lust auf einen genussvollen Parcours durchs Leben bei ihm ausgeprägt. Sport und Bewegung sind für David in erster Linie Spaß, Wettkampfsport und den Druck, andere hinter sich zu lassen, interessieren ihn nicht besonders. „Ich suche draußen immer ein bisschen Abenteuer, aber vor allem den richtigen „Flow“, um mich zu entspannen und den Kopf frei zu bekommen.“

Neben dem Mountainbiken findet er genau diesen Flow im Fluss, auf der legendären Eisbachwelle am Münchner Haus der Kunst, an der Dianabadwelle oder an der Floßlände in München-Thalkirchen. Riversurfing ist ganz nach seinem Geschmack. Glücklicherweise habe der Balance-Akt auf der Welle bei ihm auf Anhieb ganz gut geklappt. „Ich hatte gleich die Welle perfekt getroffen und bin zum Stehen gekommen. Was für ein Moment, da war der Funken gezündet“, berichtet er. Da war es dann auch egal, dass er danach einige hundert Mal vorzeitig von der Welle abgeworfen und durch den kalten Schleudergang gespült wurde.

So langsam hat sich David die Sicherheit auf der Welle erarbeitet und feilt nun meist in aller Herrgottsfrühe an immer neuen Tricks. Etwa das Board beim Start erst einmal um die eigene Achse zu flippen, drauf zu springen und dann immer härtere Turns zu fahren. „Es geht voran, auch wenn’s fürs Yoga auf der Welle, wie es ein Eisbach-Crack zelebriert, noch lange nicht reicht“, berichtet er. Aber großen Ehrgeiz verspüre er dabei auch gar nicht. Hauptsache der Flow stimmt.  

Sich in seiner Umgebung und seinen Herausforderungen wohlzufühlen, ist für David immer essenziell. Bei EDAG tragen dazu die Entwicklungsherausforderungen rund um das autonome Fahren und die Einbindung in ein junges, hochmotiviertes Team gleichermaßen bei. „Im Schnitt sind wir 35 Jahre und jünger. Die Chemie stimmt, wir machen auch viel privat zusammen. Das gefällt mir.“

„In unseren Projekten entwickeln wir Technik und Algorithmen für unterschiedliche Plattformfunktionen von Fahrerassistenzsystemen“, sagt er. Und das für alle Ausprägungen der internen Fahrzeugkommunikation, zum Beispiel zur Verknüpfung und Steuerung von Umfeldsensoren, wie Kamera, Lidar und Radar.

Neben grundlegendem Wissen sind stets auch Teamspirit, Kreativität und Improvisationsfähigkeit gefragt. „Für viele Test-Setups gibt es einfach noch keinen Bauplan. Das müssen wir uns erst einmal alles selber schaffen – im Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachabteilungen“, erklärt David. Aber darin liege ja auch ein besonderer Reiz. Ein großer Vorteil sei dabei, dass in einem großen Technologieentwicklungsunternehmen wie EDAG unterschiedliche Teams zusammenarbeiten und ihr Know-how vereinen, um schnell und effizient neuartige Test- und Messverfahren auf den Weg zu bringen.

Wie zuletzt, als Davids Projektteam ein Messtechnik-Konzept für Thermotests am Fahrzeugradar umsetzte und dazu die benötigten Teile aus verschiedenen Abteilungen aufgetrieben hatte. „Wir konnten damit einer Idee eine erste Form geben. Echte Innovationen gibt es nicht von der Stange, dazu braucht es immer auch eine gute Portion Pioniergeist“, stellt David zufrieden fest. Über allem stehe immer das Ziel, ein System ins Fahrzeug zu bringen, das dafür sorgt, dass sich alle Komponenten richtig verhalten und perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Um auch auf dieser Welle immer besser zu surfen, macht David gerade berufsbegleitend noch an der FH München seinen Master in Mechatronik und Feinwerktechnik. „EDAG bietet mir die Freiheit, nebenher zu studieren. Außerdem passt es ganz gut, dass das Studium Corona-bedingt überwiegend online abläuft.“ So bleibt dem Riversurfer auch noch Zeit für den richtigen Flow draußen und all die reizvollen Versuchungen, die das Leben sonst noch so bietet. Wäre doch auch schade drum.


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